czwartek, 9 kwietnia 2009

działanie antydepresyjne

es gibt ein unschlagbares mittel gegen jede art von kulturschock, einsamkeit, verzweiflung und ueberhaupt depressive verstimmung. dieses wundermittel heisst weder solarium noch johanneskraut noch schokolade noch sport. sondern: kontaktanzeigen lesen. die gazeta wyborcza hat ein system, bei dem seine kontaktanzeige per sms an die redaktion schickt. um zu antworten, gibt man - wieder in einer sms - den kod der entsprechenden anzeige an. wie wunderbar: finden sie die liebe ihres lebens in 160 zeichen! allerdings nur in den rubriken "pani pozna pana" und "pan pozna pania". schliesslich befinden wir uns in einem katholischen land. aber auch hier es gibt menschen, die brauchen nicht einmal 50 zeichen fuer alle wichtigen informationen. es geht ja eigentlich doch nur um das eine. mal mehr und mal weniger, mal delikater und mal unverbluemter. zur not reichen auch zwei oder drei worte, und es ist alles gesagt. was am ende in der zeitung steht, ist eine mischung aus kuechenfee und betthaeschen, traumprinz und wild-west-cowboy. und dahinter verstecken sich die kleinen dramen des alltaeglichen lebens.

pilnie szukam żony.
chętnie poznam pana.
lubię teatr i mój ogród.
kocham życie, ludzi, zwierzęta.
kocham seks.
mam dosyć samotnych noc, ty też?
69 pań w 6 miesięcy wyslij sms 505199095.
poznam panią w wieku 25-40 lat może być ze wsi.
abstynent.
wierny.
dziewczyna z talentem do gotowania. dla miłośnika długowłosych blondynek.
pełna kobiecości, delikatna i znająca swoja wartość blondynka.
o sobie - urocza, pogodna blondynka, która wiem, jak dogodzić mężczyznie.
punktualna na spotkania, zorganizowana na wyjazdy, zaradna w kuchni, gorąca w sypialni.
dobroć, mądrość i namiętność w jednej osobie. nie wierzysz? sprawdż!
kobieca, zgrabna i z dużym poczuciem humoru i dystansem do rzeczywistości.
kawaler, czuły i cierpliwy.
dojrzałego faceta.
tylko dla odważnych.
inteligentnego do 55 lat.
wysokiego, bo lubię obcasy.
karierę robię w pracy, w domu mogę robić pierogi.
dbam o dom, chciałabym móc podać ci w nim pyszny obiad własnej roboty.
zachowuję dystans do standardów kreowanych przez zbyt liberalne media.

haette ich ein sittengemaelde unserer zeit zu zeichnen, es waere eine collage aus kontaktanzeigen.

środa, 8 kwietnia 2009

list w butelce

ob ich schon festen boden unter den fuessen haette?
(eine freundin in einem brief.)
ehrlich gesagt, nein. ich bin weit davon entfernt. der boden unter meinen fuessen schwankt staendig wie auf einem schiff, und ich weiss nicht einmal, ob es ein kreuzfahrtliner oder ein panzerkreuzer , ein atom-uboot oder ein schaufelraddampfer ist. niemand kann mir sagen, wohin dieses schiff faehrt. das wetter ist meistens schlecht, die matrosen sprechen eine komische sprache, und den kapitaen habe ich noch nie gesehen. trotzdem bin ich mir sicher, dass es ein traumschiff ist. und ich hoffe einfach, dass um diese jahreszeit in der ostsee nicht mehr allzu viele eisberge unterwegs sind.

wtorek, 7 kwietnia 2009

słowo o rzeczywistości

als ich vom einkaufen komme, steht vor dem mlekovita-geschaeft ein maedchen mit rosa rollschuhen an den fuessen und haelt einen kleinen hund an der leine. ich gehe weiter und drehe mich an der ecke noch einmal um. das maedchen steht immer noch da.

sobota, 4 kwietnia 2009

muzeum moich kolorowych snów 4

als ich meinen rundgang beendet hatte, war aus der grossen halle ploetzlich klaviermusik zu hoeren. am fluegel im grossen saal unter der kuppel, zwischen den meistern der niederlaendischen, spanischen und englischen schule, sass ein siebenjaehriges maedchen mit rosa rollschuhen an den fuessen und spielte bach. als sie mich sah, stand sie auf und fuhr auf dem roten teppich drei runden um den fluegel. dann drehte sie eine pirouette und verschwand in einer der kleinen tueren an der rueckwand des saales. ich konnte sie lachen hoeren.
als ich das museum gegen vier uhr nachmittags verliess, war ich der einzige besucher gewesen. ich hoerte, wie hinter mir der alte freundliche herr in anzug und krawatte die vielen riegel an der tuer verschloss. sie wuerden sich freuen, dass sie wieder unter sich waren. sie wuerden den staubsauger und den bohnerbesen wegraeumen, die pantoffeln anziehen und zum abendessen eine suppe kochen. dabei wuerden sie sich erzaehlen, dass mohrrueben gesund sind, aber dass man ein wenig oel zugeben muss, wegen der vitamine. vielleicht hatte einer von ihnen auch einen Fernseher mitgebracht, und sie wuerden in den nachrichten aufpassen, ob nicht eines ihrer bilder wieder aufgetaucht war. sie wuerden eine partie karten spielen, und dann wuerden sie schlafen gehen. sie wuerden das kabel des wasserkochers aus der steckdose hinter der spanischen wand ziehen und kontrollieren, ob die kochplatte ausgeschaltet war. einer wuerde den schalter für die lichtschranken umlegen und die hoerer der telefone abheben, um zu pruefen, ob nicht vielleicht doch ein freizeichen zu hoeren war, aber die leitungen wuerden wie immer tot sein. sie wuerden ein nachtgebet fuer ihre verlorenen bilder sprechen, dann wuerden sie nacheinander auf die damen- oder herrentoilette gehen, die gebisse herausnehmen, die nachthemden anziehen und sich schlafen legen. nur das kleine maedchen mit den rosa rollschuhen würde die ganze nacht ihre runden um den fluegel drehen.

piątek, 3 kwietnia 2009

muzeum moich kolorowych snów 3

ich ging die treppe wieder hinunter und betrat nun den grossen kuppelsaal. im erdgeschoss fuehrten an den waenden kleine tueren in abstellkammern und magazinraeume, in denen sich stuehle, alte lampen, kaputte bilderrahmen und vertrocknete pflanzen stapelten. diese raeume zogen sich an der aussenwand entlang um das ganze haus, und man konnte so das museum umrunden und von einem saal in den anderen gelangen, ohne auch nur von einem einzigen besucher gesehen zu werden. vermutlich gelangten auf diesem wege auch die kunstdiebe in das museum und im museum von saal zu saal, wenn sie die altmodischen lichtschranken nicht im hochsprung ueberwinden wollten. und wenn die kunstdiebe wieder einmal einen vertreter der spanischen oder englischen schule gestohlen hatten, dann haengten die alten damen und der alte herr ein pappkaertchen an den nagel, an dem das bild gehangen hatte: dieses bild befindet sich auf einer internationalen ausstellung. es gab einige weisse stellen an der wand, an denen diese pappkaertchen hingen. auch die beschriftungen der bilder hingen noch dort. die alten leute wollten nicht vergessen, welche bilder ihnen fehlten, damit sie sich erinnerten, wenn im fernsehen oder radio die nachricht von aufgeklaerten kunstdiebstaehlen kam. vielleicht hofften sie, dann sagen zu koennen, dies sei ihr bild und sie haetten es gerne zurueck. aber sie hatten nicht einen einzigen der diebstaehle ueberhaupt gemeldet. nach dem tod des letzten direktors, von dem kein bild in der eingangshalle hing, hatte man keinen neuen mehr eingesetzt. bei der folgenden reform der stadtverwaltung war das museum ganz einfach vergessen worden, und niemand kuemmerte sich mehr um das haus und die bilder und die alten leute, um die altmodischen lichtschranken und die telefone, und darum, dass die Sammlung ein paradies für kunstraeuber war.
die angestellten bekamen ploetzlich kein geld mehr, aber niemand im rathaus konnte ihnen sagen, an wen sie sich wenden mussten. man schickte sie nur von einer abteilung in die naechste. nirgends war man für sie zustaendig, und irgendwann waren sie es leid. als sie die mieten für ihre wohnungen nicht mehr bezahlen konnten, waren sie nach und nach alle in das museum gezogen, in die abstellkammern und magazine und das unbenutzte direktorenzimmer. einer hatte die kochplatte mitgebracht, ein anderer das radio, und ab und zu nahmen sie ein wenig geld aus der eintrittskasse, um lebensmittel zu kaufen.

czwartek, 2 kwietnia 2009

muzeum moich kolorowych snów 2

vor dem eingang zum naechsten saal sassen zwei frauen an einem tisch. die eine strickte, die andere feilte sich die fingernaegel. die eine erhob sich mit der nagelfeile in der hand, um das licht im saal anzuschalten, dann setzte sie ihre manikuere fort. der saal, den ich betrat, war bis zur mitte des raumes mit gestapelten stuehlen vollgestellt. die bilder an der hinteren wand des raumes aus der naehe zu betrachten war unmoeglich, man haette ueber all die davor gestellten stuehle klettern muessen. in einer ecke erkannte ich unter all den stuehlen auch ein cembalo. zum ersten mal fielen mir nun die altmodischen lichtschranken vor den fenstern auf. sie sahen aus, als waeren sie in den 50er oder 60er jahren montiert worden. sie bestanden aus insgesamt vier lampen auf jeder seite des fensters und reichten bis knapp ueber meinen kopf. mit ein wenig uebung im hochsprung konnte man sie problemlos ueberwinden.
als ich den saal verliess, gingen die damen am tisch vor dem eingang immer noch denselben beschaeftigungen nach. neben der tuer stand ein orangenes telefon mit waehlscheibe, das ich fotografierte. die dame mit der nagelfeile in der hand blickte auf. bald wuerden sie auch neue, moderne telefone bekommen, sagte sie zu mir. dann wandte sie sich wieder ihren fingernaegeln zu.
ich benutzte die toilette, auf deren lage der herr in anzug und krawatte mich so fuersorglich hingewiesen hatte, und stieg die treppe hinauf in den ersten stock.
aus der tuer eines für die besucher nicht zugaenglichen raumes drang radiomusik. durch die halb offene tuer erhaschte ich einen blick auf eine frau in strumpfhosen, unterrock und unterhemd. an einem nagel an der wand neben ihr hing ein kleiderbuegel, und auf dem kleiderbuegel hing ein blaues kleid. ich wandte mich ab und wieder den bildern zu. kain und abel sahen aus wie ein liebespaar, nur das blut stoerte ein wenig. das bildnis rembrandts lag etwas schief in seinem schaukasten, und jemand hatte die lebensdaten handschriftlich korrigiert.
im oberen stockwerk folgte mir eine kleine frau mit kurzen haaren. sie konnte nicht richtig laufen und humpelte an ihrer gehhilfe hinter mir her. ganz bestimmt wuerde ich den lichtschalter selber finden, sagte ich, und natuerlich wuerde ich das licht auch wieder ausschalten. aber sie schuettelte nur wortlos den kopf und humpelte weiter. im letzten saal befand sich nichts ausser einem einzigen wandfuellenden gemaelde in gold- und silbertoenen, eine grosse historische szene von vor tausend jahren. die dame blieb an der tuer stehen und liess mir zeit fuer die eingehende, ehrfuerchtige betrachtung. dann humpelte sie zum fensterbrett und brachte mir ein blatt papier mit erklaerungen zu dem bild. es war auf der schreibmaschine geschrieben und so oft fotokopiert worden, dass die buchstaben unleserlich geworden waren und jemand sie mit der hand ausgebessert hatte.
aus dem erdgeschoss war nun das geraeusch des staubsaugers zu hoeren. ich beugte mich ueber das treppengelaender und schaute hinunter, aber es war niemand zu sehen. also ging ich in den naechsten saal und sah dort eine frau in dem blauen kleid, das auf dem kleiderbuegel an der wand gehangen hatte. sie trug pantoffeln und bohnerte gedankenverloren das parkett. ihre handtasche und ihre strassenschuhe hatte sie auf dem fensterbrett abgestellt.

środa, 1 kwietnia 2009

muzeum moich kolorowych snów 1

ich musste das museum ein wenig suchen, der eingang war nicht ausgeschildert. an der garderobe nahm mir ein freundlicher alter herr mit anzug und krawatte meinen mantel ab und gab mir dafuer eine nummer. die dame, die die eintrittskarten verkaufte, schaute mich nicht einmal an. der alte herr in anzug und krawatte wies mir den weg. mit ueberschwaenglichen gesten zeigte er auf die bilder der direktoren und maezene des museums in oel, acryl und kodak-kolor. die maezene waren schon lange tot, genauso wie die paepste, praesidenten und buergermeister, mit denen sie die bilder teilten, aber der alte herr in anzug und krawatte verehrte sie noch immer abgoettisch. nachdem ich die maezene genuegend bewundert hatte, wies mir der freundliche alte herr den weg zur damentoilette. nach rechts den flur hinunter, dritte tuer. die toiletten, das sei schließlich das wichtigste, fuegte er hinzu. deswegen sei ich gekommen, gab ich zurueck.
das museum war leer. ich schien der einzige besucher zu sein und schlich langsam über die roten teppiche. der freundliche alte herr in anzug und krawatte blieb an der garderobe zurueck, stattdessen folgte mir nun eine aeltere dame in rock und pullover. wenn ich einen saal betrat, schlurfte sie zum lichtschalter, so dass ich die bilder betrachten konnte. wenn ich den saal verliess, schaltete sie das licht hinter mir wieder aus. so wanderte ich ehrfuerchtig und gemessenen schrittes von "alegoria i mitologia" zu "martwa natura i pejżaz". ich wandelte zwischen judith und holofernes, venus und amor, ich betrachtete die roemischen tugenden und vertiefte mich in sommerliche oder herbstliche landschaften, doch allmaehlich fiel es mir immer schwerer, mich auf die bilder zu konzentrieren. es roch ganz eindeutig nach mittagessen. das wunderte mich. schon im saal des 20. jahrhunderts war hinter einer spanischen wand ein wasserkocher zu hoeren gewesen. beilaeufig hatte ich einen blick auf einen garderobenstaender werfen koennen, an dem pelzmaentel, altmodische huete und ein geschirrhandtuch hingen. nun fiel mir auf, dass auf dem flur neben der treppe ein staubsauger stand.